Wer sind wir wirklich? Die menschlichen Grundbedürfnisse
- showyourselfcoachi
- vor 4 Tagen
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Inhalt:
Was bedeutet es eigentlich, ein Mensch zu sein? Eine große Frage. Ich maße mir nicht an, sie beantworten zu können, doch sie fasziniert mich schon mein Leben lang. Und auf meiner Suche habe ich einige Erkenntnisse gewonnen. In diesem Artikel möchte ich euch daran teilhaben lassen, in der Hoffnung, dass sie euch dabei helfen, euch selbst und andere Menschen besser verstehen zu können.
Also, was bedeutet es nun, ein Mensch zu sein?
Die Bedürfnisse des Körpers & der Psyche
Zunächst einmal haben wir alle einen Körper. Wir fühlen Schmerz, wir bluten, wir sind verletzlich. Unser Körper hat Überlebensnotwendige Bedürfnisse: Nahrung, Sauerstoff, Schlaf. Wenn wir diese Bedürfnisse ignorieren, dann werden wir krank und schließlich sterben wir.
Doch wir Menschen besitzen nicht nur einen Körper, sondern auch etwas, das man Psyche nennt. Wir haben Gedanken und Gefühle und ein Gehirn, das diese kreiert, unseren Körper steuert, unsere Wahrnehmung beeinflusst und vieles mehr. Wir haben eine einzigartige Persönlichkeit. Und auch unsere Psyche hat Überlebensnotwendige Bedürfnisse. Werden diese Bedürfnisse vernachlässigt, dann werden wir krank. Psychische Krankheiten wirken sich auch körperlich aus, sie können sogar unser Leben verkürzen. Das wohl drastischste Beispiel dafür ist Selbstmord, aber auch abgesehen davon leben psychisch kranke Menschen statistisch gesehen kürzer als gesunde.
Aber was sind diese Bedürfnisse? Und wie können wir einen Mangel vermeiden und unsere Psyche gesund erhalten?
Die psychischen Bedürfnisse nach Maslow
Eines der ersten und bis heute bekanntesten Modelle zur Beschreibung unserer psychischen Bedürfnisse stammt von dem Psychologen Robert Maslow und wurde ca. 1943 entwickelt. In diesem Modell, auch die „Bedürfnispyramide“ genannt, beschreibt Maslow verschiedene Ebenen von Bedürfnissen, die einen unterschiedlichen Stellenwert haben. Das heißt, dass die weiter unten stehenden dringlicher sind, also zuerst erfüllt werden sollten, damit wir uns den höheren Ebenen zuwenden können.
Die unterste Ebene: Körperliche Grundbedürfnisse
In der untersten Ebene stehen jene Bedürfnisse die zuerst erfüllt werden müssen, um unser Überleben zu sichern. Dies sind körperliche Bedürfnisse wie (z. B. Essen, Trinken, Schlafen, Sauerstoff)
Die erste Ebene: Sicherheitsbedürfnisse
In der ersten Ebene finden wir die Sicherheitsbedürfnisse (z. B. physische Sicherheit, finanzielle Sicherheit, Wohnung) Wir wollen uns sicher fühlen. Damit ist die Sicherheit gemeint, nicht morgen unsere Wohnung oder unseren Job zu verlieren, unsere Kosten weiterhin decken zu können, aber auch die Sicherheit, morgen noch am Leben zu sein. Wir tun aus unserer Perspektive das, was dafür notwendig ist, wie z. B. eine Alarmanlage zu kaufen oder einen unangenehmen Chef zu ertragen, um unseren Job nicht zu verlieren.
Die zweite Ebene: Soziale Bedürfnisse
In der zweiten Ebene finden wir die Sozialen Bedürfnisse (z. B. Zugehörigkeit, Liebe, Kommunikation, Nähe). Wir Menschen sind von Geburt an abhängig von Anderen und hochgradig soziale Lebewesen. Soziale Grundbedürfnisse wie Liebe, Nähe, Anerkennung und tragfähige soziale Beziehungen sind kein schöner Luxus, sondern lebensnotwendige Grundbedürfnisse unserer Psyche.
Die Wissenschaft hat längst durch Experimente erwiesen, dass Babys und Kleinkinder daran sterben können – und falls sie überleben, psychisch geradezu verkrüppeln –, wenn man ihnen die elterliche Liebe und Zuwendung entzieht. Doch nicht nur bei Kindern ist das so, auch als Erwachsene brauchen wir den Kontakt zu anderen Menschen. Dabei brauchen wir vor allem folgende Dinge: Aufmerksamkeit, bedingungslose Liebe, echte Nähe, Zugehörigkeitsgefühl und Verständnis.
Der Austausch mit anderen Menschen ist außerdem eine wichtige Voraussetzung für unsere eigene Weiterentwicklung und dafür, dazuzulernen. Denn niemand von uns weiß alles. Es sind Menschen, die uns lehren – und zwar nicht nur in Schulen und Universitäten, sondern jederzeit und überall.
Wenn wir uns eingestehen, dass wir andere brauchen, sollten wir mehr darüber nachdenken, wie wir miteinander umgehen, und zwar mit jedem Menschen, der uns begegnet, insbesondere aber mit jenen, die uns nahe stehen.
Die dritte Ebene: Individualbedürfnisse (Wertschätzung, Freiheit, Erfolg, Anerkennung)
Neben den sozialen Bedürfnissen hat unsere Psyche noch Bedürfnisse, die vor allem das eigene Ich betreffen. Das Ich und unsere Persönlichkeit sind komplexe Konstrukte, die unsere Psyche aufbaut und benötigt, um unser Überleben zu sichern. Sie sind individuell, vielfältig und dynamisch, das heißt, sie verändern sich unser Leben lang. Fühlen wir uns in unserem Ich bedroht, reagieren wir oft ebenso, wie wenn unser Leben bedroht wird. Zu den Bedürfnissen des Ichs gehören z. B. das Bedürfnis nach Authentizität (man selbst sein zu können und sich nicht verstellen zu müssen) und das Bedürfnis nach Freiheit (frei nach seinem eigenen Willen entscheiden und handeln zu können). Wir alle wollen als Individuum Anerkannt, Respektiert und Wertgeschätzt werden. Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, so leidet oftmals unser Selbstwertgefühl, aber auch die Art mit Anderen umzugehen darunter.
Die höchste Ebene: Selbstverwirklichung (Weiterentwicklung, Sinn, Entfaltung)
Im besten Fall gelingt es uns im Laufe unseres Lebens die meisten unserer Bedürfnisse zu unserer Zufriedenheit zu befriedigen, sodass wir uns mit den Bedürfnissen der höchsten Ebene beschäftigen können. Auf dieser Ebene geht es um den Sinn des Lebens, um Werte und um unseren Wunsch nach Selbstverwirklichung und die Frage, wie wir diese erreichen können.
Inzwischen gibt es einige Modelle, die Maslows Aufzählung noch erweitern. Es scheint so, als könnten wir bis heute nicht sicher sagen, welches denn nun die Grundbedürfnisse unserer Psyche sind und wie wir diese erfüllen können. Doch ich denke, Maslows Bedürfnispyramide ist schon mal ein guter Anfang, um uns als Menschen mit unseren Bedürfnissen besser zu verstehen.
Fazit
Auch wenn wir alle dieselben Bedürfnisse haben, so ist es doch unterschiedlich, welche davon unser Handeln am meisten prägen. In der Regel gilt: Je größer der gefühlte Mangel, umso stärker treibt uns ein Bedürfnis an. Wenn wir uns damit beschäftigen, welche Bedürfnisse in unserem Leben momentan eine große Rolle spielen, können wir viel über uns lernen.
Hier zum Abschluss noch zwei psychische Bedürfnisse, die ich herausstellen möchte, weil es an uns liegt, einander zu helfen, diese Bedürfnisse zu befriedigen, und weil sie uns helfen, einander besser zu verstehen:
Das Bedürfnis, gesehen zu werden
Wir wollen Aufmerksamkeit, bemerkt werden und für unsere Leistungen anerkannt werden. Darum macht Komplimente, hört aufmerksam zu und gebt großzügig Anerkennung.
Das Bedürfnis, verstanden zu werden
Ich denke, es ist unmöglich, einander vollständig zu verstehen. Schließlich sind wir alle unterschiedliche, komplexe Wesen und können nicht in den anderen hineinsehen. Aber es ist wichtig, dass wir es versuchen und einander zeigen, dass wir es versuchen. Damit zeigen wir jemandem, dass er uns wichtig ist. Darum zeigt echtes Interesse aneinander, versucht euch in die Perspektive anderer zu versetzen, erkennt eure Unwissenheit an und hört zu (vorurteilsfrei und unwissend).
Mensch zu sein ist mehr als Bedürfnisbefriedigung
Aber unsere Bedürfnisse allein sind nicht alles. Ein Mensch zu sein ist noch komplexer. Hier noch ein paar wichtige Aspekte des Menschseins, die für uns alle gelten.
Wir alle sind am Leben und das Leben bedeutet ständige Veränderung. Wir müssen uns also auch verändern und uns immer wieder an neue Bedingungen anpassen. Leben bedeutet auch, Fehler zu machen. Wir alle machen Fehler – ständig. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Wenn wir unsere Fehler einsehen und uns fragen, was wir von ihnen lernen können, dann entwickeln wir uns weiter. Wenn wir es dagegen nicht tun, dann werden wir dieselben Fehler unser Leben lang wiederholen.
Wir alle haben Teile unseres Selbst, die uns nicht gefallen. Eigenschaften, die uns unangenehm sind und für die wir uns schämen. Doch sie gehören zu uns, so wie auch Schmerz und Leid zum Leben gehören. Erst wenn wir alle Teile von uns wahrnehmen und akzeptieren, können wir unsere ganze Kraft entfalten.
Wir sind emotionale & intuitive Wesen. Natürlich haben wir einen Verstand, und dieser ist wertvoll und kann uns oft weiterhelfen. Doch unser Verstand und unsere Emotionen sind eng verbunden. Und wir treffen die meisten Entscheidungen intuitiv, nicht mit unserem Verstand. Erst wenn wir das verstehen, können wir auch verstehen, wie wir Andere erreichen. Denn um zu anderen durchzudringen und sie für uns zu gewinnen sind Gefühle zu zeigen oft wertvoller, als die besten Argumente.
Wir brauchen die Natur. Die Natur wirkt heilsam auf uns. Sie ist unsere Lebensgrundlage und wir sind mit ihr verbunden.
Dies ist mit Sicherheit noch nicht alles. Doch es ist bereits viel, und ich denke, dass dieses Wissen über uns selbst uns dabei helfen kann, uns und andere Menschen besser zu verstehen und dadurch die wahren Ursachen unserer Probleme zu erkennen und zu lösen.
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